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Kokos als Orchideensubstrat

 

Immer wieder liest man von guten Kulturergebnissen von Orchideen bzw. Paphiopedilum in Kokossubstraten. Auffällig ist eine gute Wurzelbildung meistens schon nach wenigen Wochen.

 

 

Auch auf der Insel Madeira werden Paph. insigne seit einigen Jahren in feinem Kokossubstrat kultiviert. Die Quelle für die Substrate konnte leider nicht ermittelt werden.

 

 

Ein Orchideenfreund kultiviert seine Frauenschuhe seit einigen Jahren in reinen Kokoschips. Die Pflanzen werden auf der Fensterbank kultiviert und regelmäßig getaucht.

 

Diese guten Bewurzelungserfolge wollte ich auch in meiner Orchideenkultur ausprobieren. 


Um die Jahrtausendwende gab es schon einmal einen Hype um diesen Pflanzstoff. Kokos setzt sich während der Kulturphase deutlich langsamer um als Rindensubstrate.
Oftmals war dieses Kokosmaterial aber mit Salzen belastet, da die Kokosfasern in den Herkunftsländern teilweise mit Meer- oder Flusswasser gespült werden. Damit dieses Material überhaupt als Orchideensubstrat genutzt werden konnte, musste es mehrfach mit Regenwasser gewaschen werden. Es wurden sowohl Kokos Chips aber auch feinere Kokosfasern als Substrate angeboten.

Bob Wellenstein von der Firma An Tec (USA) war eine der ersten Orchideengärtnereien, die einen großen Teil seiner Orchideen (insbesondere Paphiopedilen) in Kokossubstraten kultivierte. In den ersten 6 Monaten sind viele neue Wurzeln in dieses Kokossubstrat gewachsen - nach 12-18 Monaten starben dann aber ein Großteil der Wurzeln ab. Man stand vor einem Rätsel.

Heute kennt man die Ursachen dafür:

Selbst bei vielfachem waschen der Kokosfasern verbleiben 60-70 % von Natrium- und Kaliumsalzen fest an den Fasern hängen, die nur mit einem Kationenaustausch-Verfahren abgelöst werden können. Die Anbaugebiete der Kokosnusspalmen liegen überwiegend in Küstennähe. Das Grundwasser aber auch die regelmäßigen Regenfälle beinhalten daher höhere Natriumwerte. Die Pflanzen werden überwiegend mit Kaliumnitrat gedüngt. Aus diesem Grund sind auch in den Kokosfasern noch hohe Rückstände von Natrium (Na) und Kalium (K) zu finden.

 Werden während der Kulturzeit Calcium oder Magnesium über den Dünger verabreicht, tauschen sich die noch vorhanden Na und K Ionen an den Fasern mit den Ca und Mg aus dem Dünger aus - in das Substrat werden Na und K Ionen abgegeben, die nach einiger Zeit das Substrat vergiften - die Wurzeln sterben ab. Wird jetzt nicht umgehend umgetopft, stirbt auch die Orchideen.

Wer Kokos als Substrat für seine Orchideen verwenden will, sollte darauf achten, dass das Substrat mehrfach gewaschen und gepuffert worden ist – oder das Substrat muss selber vorbereitet werden.
Für die Cannabiszucht werden solche gepufferten Kokossubstrate hier in Deutschland mit einem Leitwert um die 200 µS angeboten. Dieses Substrat ist mir aber für meine Orchideenkultur zu fein.

Auf der Suche nach geeignetem Orchideensubstrat bin ich auf nachfolgende Kokoschips gestoßen:

 

Auf dem Etikett ist zu lesen, dass das Material mit ca. 1000 mg Salzen belastet sei. Das entspricht in etwa einem Leitwert von 1700 µS. Dieser Wert variiert aber nach meinen Messungen bei den einzelnen Kokosblöcken. Trotzdem ist dieser hohe Leitwert für die Orchideenkultur deutlich zu hoch. Folgende Arbeitsschritte müssen daher durchgeführt werden:

Der gepresste Kokosblock wird in 50 Liter Regenwasser eingeweicht. Nach 24 Stunden wird ein Leitwert (LW) von 1550 µS gemessen. 

Das Kokossubstrat wird dann mit einem Sieb oder Kescher aus dem Wasser entnommen und jetzt wieder in 30 Liter neues Regenwasser eingeweicht. Nach 24 Stunden habe ich einen LW von 720 µS gemessen. Die Kokosfasern werden erneut mit einem Sieb entnommen und nochmals in 30 Liter frisches Regenwasser für 24 Stunden eingeweicht. Das Wasser hat jetzt einen LW von 380 µS.

In 30 Liter Regenwasser werden jetzt 20 Gramm Calcinit (Calciumnitrat) und 5 Gramm Bittersalz gegeben. Dieses Wasser hat nun einen LW von 1200 µS. Die Kokosfasern werden jetzt dort hineingegeben. Diesen Vorgang nennt man puffern des Substrates.

Nach 24 Stunden werden die Fasern aus dem Wasser genommen und nochmals in 30 Liter frisches Regenwasser gegeben.

Diesen Vorgang wiederholt man noch zweimal mit frischem Regenwasser – danach hat das Wasser einen LW von 220 µS und die Kokosfasern können jetzt als Orchideensubstrat verwendet werden.

 

Das Spülen und Puffern des Kokossubstrates ist also ein aufwendiger Vorgang, der auch viele Liter Regenwasser verbraucht.

Für einige kleinere Orchideen sind mir diese Orchideenchips zu groß. Diese Chips habe ich mit einem Laubsauger aufgesaugt, der einen kleinen Schredder hat. So kann man sich auf einfache Arbeitsweise feinere Kokosfasern herstellen. In dem Untersetzer auf dem nachfolgenden rechten Bild ist das deutliche feinere Kokossubstrat zu sehen, dass man für die Cannabiszucht kaufen kann.

 

 

Einige Orchideen zeigen bei mir nach wenigen Wochen schon positive Anzeichen für eine gute Bewurzelung in Kokos.

Hier Paphiopedilum:

 

und Phalaenopsis:

 

 

Wenn im Laufe des Jahres dann die Orchideen in diesem Substrat Wurzeln treiben und gut wachsen, hat sich der ganze Aufwand gelohnt. In wie weit sich die Wurzelbildung auch nach einem Jahr Kulturzeit weiter entwickelt, bleibt abzuwarten.